Vorweg: Ich bin gebürtiger Hamburger, war 4 Jahre lang im rheinischen und ostberlinerischen Exil und bin seit Anfang 2007 wieder in meiner Heimatstadt. Von objektiver Betrachtungsweise wird man also kaum sprechen können. Trotzdem, Hamburg ist eine wirkliche Qualitätsstadt. Das sieht man besonders an Tagen wie heute, an denen die Sonne konstant scheint. In Hamburg hat das nämlich diesen Effekt: alle (sprich: ALLE) Hamburger kommen aus ihren Wohnungen und setzen sich in ein Café nach draußen oder nutzen einen der schönen Plätze an Alster oder Elbe. Die Chance an so einem Tag gegen 19 Uhr einen Platz irgendwo in der Abendsonne zu bekommen sind so realistisch wie die der Franzosen, Europameister zu werden. Oder Weltmeister in zwei Jahren. Aber das ist ein anderes Thema…
Verständlich ist das Verhalten der Hanseaten allemal. Am Wasser oder unter hohen Bäumen in einem der schönen Stadtteile einen Café au Lait, Latte Macchiatto oder Galao zu trinken (was im Grunde alles das selbe ist, nur überall anders heißt) festigt nur die Überzeugung in diesem Moment am genau rechten Fleck zu leben. Dabei kann Hamburg vieles: die spannenden und szenigen Stadtteile Sternschanze, St. Georg und Altona, in denen Alle ganz individuell sind und doch irgendwie gleich aussehen. Das schicke Winterhude und Eppendorf, wo man aus Statusgründen ein Baby zu haben scheint, das man in US-Amerikanischen Kinderwagen zu PKW-Preisen herumschiebt und dabei mal hier, mal da jemandem begegnet, den man „sooo lange“ nicht mehr gesehen hat. Oder die von Touristen frequentierte Innenstadt plus Hafengebiet und neuer Hafencity, in der architektonische Meisterwerke neben Bausünden direkt am Wasser entstehen.
In keiner deutschen Stadt geht so viel Schick neben so viel Subkultur, nirgendwo hat man so viele Facetten des urbanen Lebens auf so kleinem Raum beieinander. Und das macht Hamburg zur Qualitätsstadt Nummer 1 (anders lautende Meinungen bitte in den Kommentaren kundtuen!).

